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Die Bad Schandauer Hochwassertour

Station: Zoll und Provianter an der Elbe

Standort: Landgasthaus Ziegelscheune

Ende des 18. Jahrhunderts errichtet das Erbgericht Krippen hier eine landwirtschaftliche Nebenstelle, die die Bewirtschaftung der ausgedehnten Elbauen erleichterte. 1802 zeichnete der romantische Maler Caspar David Friedrich diesen »Hof an der Elbe«. Eine Kopie davon ist im Gasthaus zu besichtigen. Darauf gut sichtbar sind die Elbwiesen als Flutungsraum und das Haus. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung wurde hier Lehm abgebaut, der Name »Ziegelscheune« erinnert heute noch daran.

Landgasthaus ZiegelscheuneDurch den Landverbrauch des Eisenbahnbaus 1850 lohnte sich weder die Landwirtschaft noch die Ziegelherstellung. Im Zeitalter der Industrialisierung änderte sich die Nutzung: Es entstanden eine Zollstation für den wachsenden Schiffsverkehr zwischen Böhmen und Sachsen mit einem ordentlichen Landeplatz für die Schifffahrt und ein Gasthaus mit Proviantladen für die Schiffer (der so genannte Provianter). Aufgrund der Erfahrung aus den Hochwassern vergangener Jahrzehnte wurde der Fußboden des Erweiterungsbaus im 19. Jahrhundert rund 1 m höher ausgeführt als der des alten Fachwerkhauses.

Jedoch im August 2002 wurde auch dieser höher gelegene Anbau noch 2,2 m hoch überflutet. Im Fachwerkhaus stand das Wasser in der Decke über dem Erdgeschoss.

Helfer nach der Flut
Nur wenige Materialien bleiben nach mehrtägigem Wässern intakt: Beton, Schaumglas, Stahl mit Korrosionsschutz. Das über Tage hoch stehende Wasser presst sich in die Poren von Sandstein, Ziegel, Putz und Holz. Erst nach ca. vier Jahren sind diese Bauteile wieder als gänzlich trocken anzusehen. Mehrschichtige Konstruktionen speichern das Wasser, hier erfolgt ohne Offenlegung gar keine Trocknung. Neuzeitliche Modernisierungen zur Energieeinsparung werden im Wasser komplett vernichtet. Viele Isoliermaterialien saugen sich wie ein Schwamm voll und können nur noch entsorgt werden.

Der Umgang mit einem Baudenkmal erfordert zusätzliche Kompromisse: Historische Baustoffe, wie ein Holzfachwerk, können nicht einfach durch Stahlbeton ersetzt werden. Damit wird zwar Hochwassersicherheit erreicht, das Denkmal ist aber zerstört.


Für Um- oder Neubauten muss eine dem Hochwasser gerechte Planung erfolgen: z.B. wurde die vor dem Hochwasser geplante Erweiterung des Gasthauses deshalb 2003 nicht mehr an- sondern drauf gebaut: Das ehemalige Flachdach des Gründerzeitanbaus wurde um ein Stockwerk aufgestockt, welches nach bisheriger Erfahrung hochwasserfrei sein sollte.

Zusatzinformationen: Gasthaus mit Beherbergung: www.ziegelscheune.de
Kreuzung mit C.-D.-Friedrich Weg und Sonnenuhrenweg: www.bad-schandau.de