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Die Bad Schandauer Hochwassertour

Station: Wasserstände im Vergleich

Die Hochwasserkote

Standort: Haus des Gastes

Der Marktplatz von Bad Schandau, der sich ursprünglich zwischen der höher gelegenen Stadt (Zauken-/Poststraße) und dem Hafen befand, ist der Startpunkt des Rundganges.

Hier ist am deutlichsten der Wandel von einem kleinen Handelsort zur pulsierenden Kurstadt im ausgehenden 19. Jahrhundert ablesbar.


Noch 1826 lagen die Wohnhäuser ausschließlich entlang der einzigen Straße hochwassersicher. Zur Elbe hin lag der Markt mit Brauereien und Handelsbetrieben, am Ufer waren Hafenanlagen. Nach und nach wurden die Brauhöfe in Gasthäuser umgewandelt. Da der Tourismusstrom stetig zunahm (Dampfschiffanleger 1837, Eisenbahnanschluss 1850), entstanden innerhalb kürzester Zeit südlich des Marktes die teuren Kur-Hotels der Elbfront (1853-77). Ursprünglich waren dies sechs Hotels, die heute im Hotel Elbresidenz zusammengefasst sind.

Es muss damals eine wahre Goldgräberstimmung geherrscht haben, die den Blick auf die Hochwassergefahr verstellte, denn das Hochwasser von 1845 war von der Höhe her dem von 2002 durchaus ebenbürtig.


Ein genauer Vergleich mittels einer Hochwasserkote (HQ) ist nur für einen bestimmten Standort möglich. So war die höchste HQ am Markt 2002 ca. 4 cm unter der von 1845. Schon an der Werft in Postelwitz lag sie aber 4 cm über der von 1845. Neben der momentanen Durchflussmenge der Elbe ist deren Fließgeschwindigkeit entscheidend für den Wasserstand, diese hängt wiederum von vielen Komponenten ab, z.B. vom Querschnitt des Tales, der Wasser verdrängenden Bebauung und Vegetation, der Intensität der Zuflüsse. Da sich der Talquerschnitt an verschiedenen Orten nach oben unterschiedlich verbreitert, kann dasselbe Hochwasser z.B. in Bad Schandau die Elbe um 9,80 m ansteigen lassen, während es in Dresden zeitversetzt »nur« einen Anstieg von 7,40 m über Mittel ergab.


An der Westseite des Marktes befindet sich das Haus des Gastes mit der Tourist-Information der Kurverwaltung, der Stadtbibliothek und einem Veranstaltungssaal. Der Renaissancebau mit achteckigem Treppenturm, bereits 1547 erwähnt, beherbergte ursprünglich die Brauerei »Gambrinus«, später wurde es zum Wirtshaus, zum FDGB-Ferienheim und nach der Wende zum Haus des Gastes umgebaut.

Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Markt noch in sich geschlossen. Die benachbarte Adler-Apotheke von 1666 war direkt an das »Gambrinus« angebaut, 1933 wurde ein Teil des Gebäudes abgebrochen, um die Durchfahrt der neuen Straße, heute die B 172, über den Markt zu schaffen.